Monat: August 2014

Schauspielerin Yvonne Catterfeld über Demenz, die eigenen Großeltern und den Lebenszyklus

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Es gibt Dinge, die schließt man in sein Herz. Die Künstlerin Yvonne Catterfeld spricht im eben im Leben-Interview über Ausflüge mit ihren Großeltern, über die Wichtigkeit schon Kinder mit dem Thema Demenz vertraut zu machen und ihrem Wunsch nach mehr Beachtung und Respekt für Kinder und ältere Menschen.

 

eben im Leben: Was gefällt Ihnen an unserem eben im Leben-Projekt „Was ist bloß mit Opa los“?

Yvonne Catterfeld: Man  spürt die Zeit und Leidenschaft, die Arbeit, die man sich genommen hat, das Projekt ins Leben zu rufen und den Motor dahinter. Die Homepage ist sehr liebevoll gestaltet und ich fand es interessant, mich damit zu befassen. Der Name des Projektes lässt sofort erahnen, worum es geht.  Demenz kann jeden von uns und in unserer Familie treffen und unsere Kinder mit dieser Frage  in Verzweiflung stürzen. Sie brauchen eine Antwort darauf, in ihrer Sprache, um Verständnis dafür zu entwickeln und vielleicht auch die Gewissheit, dass es Dinge gibt, die sich nicht ändern lassen, die man so akzeptieren muss wie sie sind. Dafür brauchen sie Hilfe und einen Gesprächspartner.

 

eben im Leben: Warum ist es wichtig bereits Kinder über Demenz aufzuklären?

Yvonne Catterfeld: Demenz ist etwas, was wir leider noch nicht verhindern können,  aber man kann vielleicht lernen, damit  besser umzugehen, indem man sich frühzeitig damit auseinander setzt. Besonders für Kinder scheint es schwer verständlich, wenn sich ein ihnen nahe stehender Mensch plötzlich derartig verändert, dass er wie ein Fremder wirkt und noch schlimmer, man selbst dem eigenen Opa oder der Oma fremd wird. Kinder frühzeitig darüber aufzuklären, in welchem Stadium sich Angehörige befinden und vor allem wie man mit diesen geliebten Menschen nun umgehen kann, ist sicher eine Form der Hilfe und des Verständnisses. Denn aufhalten kann man diese Krankheit nicht, nur lernen, mit ihr zu leben, zu wachsen und umzugehen. Keiner ist davor geschützt. Wir alle sammeln Erinnerungen, bereichern unser Leben mit Erinnerungen. Unverständlich dass im letzten Ende unseres Lebens vielleicht keine davon mehr existieren. Mich erinnert dies immer daran, jeden Moment des Lebens wahrzunehmen und zu genießen. Vielleicht ist ein schöner Ansatz, Kinder die davon bettoffen sind im Familienkreis, in ihrer Natur zu unterstützen, nämlich im JETZT zu leben. Denn das können Kinder wunderbar, während wir  Erwachsenen vielleicht über Bücher dahin zurückfinden wollen, was uns die Natur mitgegeben hat. Wenn jemand in der Familie mit Demenz betroffen ist, ist es bestimmt hilfreich, sich dem Moment bewusst zu werden, denn der Demenzkranke lebt mehr oder weniger meist auch nur noch im Jetzt.

 

eben im Leben: Wenn Sie an ihre Kindheit denken, an welches Erlebnis mit ihren Großeltern erinnern Sie sich am liebsten?

Yvonne Catterfeld: Ich erinnere mich am meisten an die Ausflüge in den Garten vor dem Haus wie auch einen etwas entfernter gelegenen Garten, zu dem wir immer mit den Rädern fuhren. Die Verbundenheit der Natur, die meine Großeltern immer noch haben. Meine Großeltern könnten sich locker mit ihren Schätzen aus ihrem Garten selbst verpflegen, sie  züchten aus Kompost wieder Neues. Diese Liebe zur Natur hat mich immer als Kind fasziniert und mitgerissen, zu wissen, woher das kommt, was wir heute für selbstverständlich nehmen, den Kreislauf der Natur anzuerkennen.

 

eben im Leben: Für unsere Kinder und alte Menschen in diesem Land wünsche ich mir . . .

Yvonne Catterfeld: Beachtung und Respekt. Spätestens wenn man ein eigenes Kind hat, ist der Kreislauf des Lebens auf einmal klar vor einem: Babys werden zu Kindern, Kinder werden zu Erwachsenen, alle werden alt, ältere Menschen verhalten sich irgendwann vielleicht wieder wie kleine Kinder und kehren an den Anfang ihres Lebens zurück.  Egal ob Professor oder Handwerker, das Gelernte wird oft wieder verlernt. Mir macht das manchmal Angst, aber sich der Sterblichkeit und der Endlichkeit des Lebens bewusst zu werden, hilft oft, das Leben intensiver und als Geschenk wahrzunehmen. Wir alle werden alt und wir alle werden irgendwann sterben. Diese Tatsache ist hart, so einfach sie klingt und sie macht vielen Menschen Angst. Wenn wir uns bewusst sind, dass wir alle alt werden, werden wir alte Menschen mehr respektieren.

Natürlich möchte man sich gerne an das erinnern, was man mit den Großeltern erlebt hat und diese Erinnerungen sollte man bewahren, aber Kinder können vielleicht eher lernen als wir, mit dieser Situation, die JETZT ist, umzugehn, vielleicht mit Phantasie und Empathie , zu verstehen, was in Opa oder Oma gerade in diesem Augenblick vorgeht, was er oder sie gerade wahrnimmt sie, um sich ihnen noch nahe zu fühlen und darauf reagieren zu können, statt unverständlich und passiv dem zusehen zu müssen.

Aber ich habe leicht reden, auch ich könnte nur sehr schwer damit umgehen und habe Angst, jemand in meiner Familie könnte eines Tages davon betroffen sein.

 

eben im Leben: Liebe Frau Catterfeld, wir danken Ihnen herzlich für das Interview.

Lassen Sie uns doch mal ins Gespräch kommen . . .

Nur wer miteinander spricht, versteht einander. Foto: Kuchenbecker

Nur wer miteinander spricht, versteht einander. Foto: Kuchenbecker

Momentan ist viel los. Zu viel, um es allein zu schaffen. Darum braucht jeder gute Verein auch Mitglieder, die bei der Realisierung von Projekten helfen. eben im Leben geht es genauso. Auch wir suchen Mitstreiter, die uns bei unserer Arbeit unterstützen.

Sind Sie vielleicht ein Zeitspender? In Hamburg engagieren sich etwa 450 000 ehrenamtliche Helfer in den verschiedensten Bereichen. Und auch bei uns sind gerade noch drei Plätze akut frei. Denn für unsere Veranstaltungen und am 19. September auf dem Langenhorner Marktplatz in Hamburg brauchen wir noch den einen oder anderen, der ganz praktisch mit anpackt, der mit uns spielt, für Ordnung sorgt und schaut, dass alles so läuft wie es in unserem großen Ablaufplan geschrieben steht.

Aber wir suchen auch Menschen, die uns einfach bei unserer Arbeit Nahe stehen. Uns unterstützen indem sie anderen Menschen von unserem Projekt erzählen, uns empfehlen und so unsere Botschaft in die Welt hinaus tragen. Denn uns sind starke Kinder wichtig, die gelernt haben, dass es Krankheiten gibt, das liebe Menschen wie Oma und Opa davon betroffen sein können. Die aber auch wissen, dass sie nicht alleine sind, die wissen, dass man sich immer irgendwo Hilfe holen kann. Dafür stehen wir.

Unsere Arbeit nimmt Fahrt auf. Nachdem die gesamte Bürokratie erledigt ist, geht es nun ganz gezielt an die Finanzierung des Projektes. Auch hier sind Unterstützer gefragt. Die ersten helfenden Unternehmen haben sich bereits gefunden. Und es werden mehr. Die Gespräche laufen, die ersten Anträge sind gestellt. Auch mit Stiftungen, der Stadt, dem Bundesministerium oder Banken sind wir im Gespräch.

Wir sind zuversichtlich, dass wir in sehr kurzer Zeit mit dem Kinderpräventionsprojekt „Was ist bloß mit Opa los?“ im Hamburger Norden starten können. Aber nicht nur hier: Es gibt bereits Anfragen von Organisationen aus anderen Bundesländern, die unser Projekt gerne adaptieren möchten.

Es geht also voran, doch ohne Hilfe von anderen geht es nur langsam. Wer sich daher engagieren möchte, nimmt einfach per E-Mail an nicole.kuchenbecker(at)ebenimleben(dot)de Kontakt mit uns auf. Lassen Sie uns doch ins Gespräch kommen und sehen was draus wird.

Was meinen Sie?