Monat: Juli 2014

Der Demenz mit (Aus)Gelassenheit begegnen

Wir sind mächtig ins Schwitzen geraten, denn eine anstrengende Woche liegt hinter uns. Hohe Außentemperaturen sorgen für innere Aufgeheiztheit – und unsere Stimmung erlebt derzeit auch ein richtiges Hoch. Denn wir haben ihn, unseren ersten VIP für das Charity-Event am 15. September im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten zugunsten unseres Vereines und Projektes. Niemand anderes als Roberto Blanco hat sich bereit erklärt, uns bei unserer Arbeit zu unterstützen.

Roberto Blanco

Unterstützt das „Was ist bloß mit Opa los?“-Projekt von eben im Leben e.V. im Hamburger Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten: Roberto Blanco.

Das ist großartig und motiviert uns, noch mehr Energie in unsere zwei Veranstaltungen, die während der Demenzwoche in Hamburg laufen werden, hineinzustecken. Es ist aber auch ein nicht zu unterschätzender Kraftakt: Wir sind zwei Frauen, die Kinder, die einen Beruf haben. Die Tag und Nacht E-Mails schreiben; das Projekt jedem vorstellen, der nur irgendwie bei der Realisierung weiterhelfen könnte.

So konnten wir Harald Rösler, Bezirksamtsleiter Hamburg-Nord, für die Eröffnung unserer Veranstaltung am Freitag, 19. September, 10 bis 12 Uhr auf dem Langenhorner Marktplatz gewinnen. Hier werden wir  unter dem Motto „Was ist bloß mit Opa los? – wir spielen“ gemeinsam mit Kindern und älteren Menschen spielen. Die Einladungen an die Kindergärten und Senioreneinrichtungen sind geschrieben und gehen in der zweiten Augustwoche raus. Auch die Plakate für die Veranstaltung sind in der Vorbereitung.

Jetzt werden helfende Hände, Spender und Sponsoren gesucht, damit die Events erfolgreich werden.

Doch was ist schon Erfolg? Für uns bedeutet das, dass wir dem angstschürenden Thema Demenz mit einer Art generationsübergreifender Leichtigkeit begegnen. Roberto Blanco wird gemeinsam mit den Gästen im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten singen; in Langenhorn werden wir spielen, basteln und gemeinsam lesen. Alles Dinge, die weder mit Angst noch mit Unsicherheiten verknüpft sind. Und genau das ist uns wichtig. Denn trockene, aufklärende Veranstaltungen zu dem Thema gibt es viele. Aber wo bleibt die generationsübergreifende (Aus)Gelassenheit?

Wir fiebern also einem aufregenden Tag mit Roberto Blanco entgegen, an dem bestimmt nicht nur die Senioren leuchtende Augen bekommen, weil „Der Puppenspieler von Mexico“ erklingt…

Ich weiß schon jetzt, dass sich unsere Gäste wohl fühlen und wir uns in ein paar Stunden der Gelassenheit „flüchten“ werden. Und wenn wir das eine oder andere dabei vergessen, ist das gut. Sehr gut sogar. (nk)

Heute neu in der Bücherecke und im Buchhandel – Als Opapi das Denken vergaß

Ein tolles Buch, eine Abkühlung: Das Probelesen von "Utischa Marmon, Als Opapi das Denken vergaß" hat einfach nur Spaß gemacht. Foto: Unruh

Ein tolles Buch, eine Abkühlung: Das Probelesen von „Uticha Marmon, Als Opapi das Denken vergaß“ hat einfach nur Spaß gemacht. Foto: Unruh

Bei diesen heißen Temperaturen sind eine Abkühlung und eine spannende Lektüre genau das Richtige. Und was eignet sich besser als das neue Buch von Utischa Marmon „Als Opapi das Denken vergaß“. Es erscheint heute im Buchhandel und wir durften es vorab schon einmal Probelesen. Und was sollen wir sagen? Wir sind einfach nur begeistert.

Wer wissen will, warum dieses Buch für Kinder ab acht Jahren so toll ist, schaut einfach in unserer Bücherecke vorbei. Denn da hat Claudia Unruh das Buch rezensiert. Ein kurzer Auszug daraus:

„Es kann eigentlich kein Zufall sein, dass dieses wunderbare Kinderbuch aus dem Magellan Verlag mit einem Zitat von Astrid Lindgren beginnt: „Alle Menschen sollten ihre Kindheit von Anfang bis Ende mit sich tragen.“ Denn tatsächlich fühle ich mich ( Jahrgang 1971) in meine schönsten Kinder-Lesezeiten zurückversetzt. Das liegt in erste Linie daran, dass die Autorin Uticha Marmon es schafft, ein sehr undankbares, trauriges und angstbesetzes Thema, nämlich in diesem Fall die Demenz des Uropas, mit einer so berührenden und phantasievollen Schreibe zu belegen . . .“

 

Kinder und Demenz – ab jetzt jede Menge Lesestoff in unserer Bücherecke

In der Bücherecke stellen wir immer wieder Literatur für Kinder vor, die sich mit dem Thema Demenz irgendwie beschäftigt – oder gut zu dieser Thematik passt. Foto: Kuchenbecker

In der Bücherecke stellen wir immer wieder Literatur für Kinder vor, die sich mit dem Thema Demenz irgendwie beschäftigt – oder gut zu dieser Thematik passt. Foto: Kuchenbecker

„Warum sollen sich Kinder eigentlich nicht mit dem Thema Demenz auseinandersetzen?, frage ich in die Runde. Die Muttis auf dem Spielplatz schauen mich an. Da wo es eben noch emsig plapperte, ist es jetzt still. Demenz sei doch kein Thema für Kinder, bekomme ich es pampig an den Kopf geworfen, die seien doch viel zu klein, um zu verstehen was Demenz überhaupt ist. Naja, wenn Opa tüddelig ist, dann weiß das mein drei Jahre alter Sohn schon sehr genau. Und dass eine Krankheit im Familienkreis mit einmal alles ins Wanken bringen kann, hat er auch er- und vor allen Dingen überlebt. Gut sogar. Denn wir haben ihm von Anfang an erklärt, was es bedeutet, wenn Opa krank ist. Natürlich muss man ihn nicht mit jeder Einzelheit belasten, aber verschonen ist ebenso der falsche Weg. Ich plädiere für ein Mittelding. Geholfen hat uns dabei kindgerechter Lesestoff.

Ich kann verstehen, dass gerade das Thema Demenz Mamas und Papas Angst macht. Besonders, wenn sie betroffen sind, wenn nahe Angehörige, die eigenen Eltern, erkranken. Wie erklärt man seinem Kind beispielsweise, was Alzheimer für eine Krankheit ist. Es gibt Lesestoff, der sich gut eignet, um auch schon die Kleinsten mit dem Thema vertraut zu machen. Und ab heute stellen wir immer wieder Bücher dazu in unserer neuen Bücherecke dazu vor.

Den Anfang macht: Kuddelmuddel in Omas Kopf, ein wunderschönes Bilderbuch von Martina Baumbach und Michaela Heilmann.

Tolle Tage mit Oma . . .

Manchmal erkennt man den Wert eines Augenblicks erst dann, wenn er zur Erinnerung wird.

Kinderbuchautor Theodor Seuss Geisel

Haben gemeinsam Spaß in Dänemark: Justus und seine Oma Elke. Foto: Kuchenbecker

Haben gemeinsam Spaß in Dänemark: Justus und seine Oma Elke. Foto: Kuchenbecker

Erinnerungen sind das, was uns Menschen miteinander verbindet. Sich an jemanden zu erinnern, und sich daran zu erfreuen, was man gemeinsam erlebt hat, beschert uns positive Gefühle. Für den einen Menschen ist es die Erinnerung, für den anderen die Gegenwart, seine Realität. Denn bei der Demenz geht es nicht um das Vergessen, es geht um das Erinnern. 

Darum haben Justus (3) und seine Oma Elke (66) auch gemeinsam einen tollen Ausflug gemacht. Drei Tage lang hatten sie gemeinsam Spaß im Legoland Resort Billund. Eine Zeit des Miteinanders, des Spaß habens, des Erlebens. Oma Elke lacht, wenn sie sich in den viel zu kleinen Wagen neben ihren Enkelsohn quetscht und mit ihm auf Safari-Tour entlang der Tiere aus Legosteinen geht. „Ich fand es wunderschön, einen gesamten Tag gemeinsam mit meinem Enkel zu verbringen“, sagt Elke und fügt hinzu, „vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Ein tolles Erlebnis. Vor allen Dingen ein bleibendes Erlebnis.“

Oma Elke quetscht sich in das viel zu kleine Safari-Auto – aus Liebe zu Justus. Foto: Kuchenbecker

Oma Elke quetscht sich in das viel zu kleine Safari-Auto – aus Liebe zu Justus. Foto: Kuchenbecker

Elke hätte sich gewünscht, dass sie so etwas auch mal zusammen mit ihren anderen fünf Enkelkindern erleben dürfte. Aber das wird wohl nur ein Wunsch bleiben. Darum genoss sie die Zeit mit Justus um so intensiver. In der Eisenbahn, in Atlantis, dort wo Lego auf Haie, Fische und Seesterne trifft. Natürlich ist Oma auch mit ins 4D-Kino gegangen und hat sich die Abenteuer von Löwe Laval angeschaut – und das, obwohl sie von den Legenden von Chima bis dato noch nichts gehört hatte. „Das erste Mal haben wir gar nicht verstanden, worum es im Film eigentlich ging“, schmunzelt sie und gibt zu, „es war ja auch irgendeine skandinavische Sprache. Wir sind da eher so Ausversehen ins Kino geraten, weil Platz war.“ Der zweite Kinobesuch war dann geplanter und mit den Chima-Abenteuer in deutscher Sprache.

Es macht riesigen Spaß die anderen Besucher nass zu spritzen – besonders, wenn man es gemeinsam macht. Foto: Kuchenbecker

Es macht riesigen Spaß die anderen Besucher nass zu spritzen – besonders, wenn man es gemeinsam macht. Foto: Kuchenbecker

„Es hat mir viel Freude bereitet, zu sehen wie sich mein Enkel voller Begeisterung in alles gestürzt hat“. Und auch sie stürzte sich in Abenteuer, machte sich mit Justus auf, um im Pyramiden- Tempel die Skelette zu fangen, Wasserfontänen zu starten wenn Justus die Dschungle-Tour unternimmt oder mit ihm gemeinsam auf Fahrt zu gehen und im Piratenschiff pitschepatsche nass zu werden. „Wir haben so viel Spaß gehabt. Dabei wollte ich eigentlich gar nicht in irgendein Karussell“, gesteht sie. Bereut hat sie es nicht, denn das Erlebte wird mit der Zeit zur Erinnerung.

Schon jetzt hält ein Foto das Erlebte wach. „So etwas mit seinem Enkel zu machen, ist ein bleibendes, ein belebendes Ereignis, das ich nicht mehr missen möchte“, sagt sie abschließend. Und auch Justus hat in den drei Tagen, die er intensiv mit seiner Großmutter verbrachte, eine Menge mitgenommen. Er lernte seine Oma von einer ganz anderen Seite kennen, eine, die nur Spaß machte. Ein durchweg positives Erlebnis.

Und genau diese positiven Momente sind es, die an Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen denken mögen. Sich gemeinsam erinnern, eine positive Begebenheit kann so viel bewirken.

Die Erinnerung an drei tolle Tage im Legoland Billund Resort kann ihnen niemand mehr nehmen. Das macht stark und mutig. Foto: Kuchenbecker

Die Erinnerung an drei tolle Tage im Legoland Billund Resort kann ihnen niemand mehr nehmen. Das macht stark und mutig. Foto: Kuchenbecker

Hier setzt auch das Projekt „Was ist bloß mit Opa los?“ an. Denn auch hier geht es um das sich erinnern. Kita-Kinder erzählen von ihren tollen Erlebnissen mit Oma und Opa. Sie malen es und schließen es dabei in ihre Herzen ein. Das gibt ein schönes Gefühl und macht stark für das, was auf uns zukommen kann. Und eines sollten wir noch beherzigen. Mit allem, was wir erleben. Das wusste schon Novalis, ein deutscher Schriftsteller, Bergbauingenieur und Philosoph:

Die Menschen gehen viel zu nachlässig mit ihren Erinnerungen um. Alle Erinnerung ist Gegenwart.