Eine Explosion der Gefühle – Projekttag 3

Vertrautheit: Justus ergriff die Hand von Ferdinand auf dem Weg zur Bushaltestelle. Foto: Kuchenbecker

Gemeinsam verbunden: Justus ergriff die Hand von Ferdinand auf dem Weg zur Bushaltestelle. Foto: Kuchenbecker

Uns war schon ganz mulmig heute morgen. Als wir mit unseren 13 Kita-Kids in der Tagespflegeeinrichtung alter + pflege in Barmbek ankamen, begannen die Kinder so ungewohnt ruhig und zurückhaltend zu werden. Die älteren Menschen waren bereits dort und nahmen gerade ihr Frühstück ein. In diesem Moment waren wir uns nicht sicher, ob wir mit unserem Projekt „Was ist bloß mit Opa los?“ wirklich richtig lagen. Es richtig war, mit Kindern ab drei Jahren in eine Pflegeeinrichtung zu gehen.

Doch es war richtig. Sogar goldrichtig. Denn was sich in diesen anderthalb Stunden dort abspielte, kann man kaum in Worte fassen. Zuerst saßen die Kinder etwas isoliert an einem langen Tisch. Ganz für sich, ohne Kontakt zu den älteren Menschen. Die Mitarbeiter der Einrichtung hatten Malvorlagen, Stifte, Getränke und auch Kekse für die kleinen Gäste vorbereitet. Doch so richtiger Kontakt zu den älternen Menschen wollte sich nicht aufbauen.

Das änderte sich plötzlich, ganz langsam, als Ferdinand mit einer Schüssel Kekse die Kinder „anfütterte“. Ferdinand besucht die Einrichtung täglich, ist selbst Opa. Doch seine Enkelkinder sind zu weit weg; sie leben in Köln. Darum ist es für ihn ein besonders schönes Erlebnis, die Kita-Kinder um sich zu haben. Und auch die haben seine Zuwendung, die Aufmerksamkeit genossen. Denn immer mehr durchmischte sich das Treiben am Tisch: junge Menschen und alte Menschen malten ganz plötzlich zusammen. Und dann gab es kein Halten mehr. Es war wie eine Explosion der Gefühle: Die Kinder liefen durcheinander, spielten zusammen im Garten, vergnügten sich mit den Gästen der Tageseinrichtung beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spiel oder spielten Denkspiele mit ihnen zusammen.

Als wir dann gegen Mittag die Heimfahrt antraten, machte Ana Zoe uns ein wundervolles Kompliment: „Es war ein toller Ausflug.“

Ferdinand begleitete uns dann noch zum Bus. An seiner Hand der drei Jahre alte Justus. Beide genossen sichtlich das Zusammensein, von Berührungsängsten keine Spur. Es war eher ein wenig wie Vertrautheit. (nk)

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